Handy im Auto: Was ist erlaubt und was nicht?

Smartphone, das mit einer Halterung an der Windschutzscheibe angebracht ist und als Navigationsgerät genutzt wird. Man sieht außerdem ein Teil des Steuers und einen verschwommenen Straßenabschnitt
Das Smartphone als Navigationssystem: Nicht immer erlaubt

Das Smartphone, unser treuer Begleiter, fordert oft unsere Aufmerksamkeit. Was in Gesellschaft unserer Mitmenschen störend sein kann, wird im Straßenverkehr schnell gefährlich. Doch was ist eigentlich erlaubt und was nicht?


Strafen und Bußgelder

Das finanzielle zuerst: Die Nutzung des Mobiltelefons (also das Aufnehmen und Halten, gemäß § 23 Abs. 1a StVO – gilt übrigens auch für Autotelefone, falls es diese noch gibt) bei laufendem Motor kostet ein Bußgeld von 60€ und wird zusätzlich mit einem Punkt in Flensburg belohnt. Bei “grober oder beharrlicher Verletzung der Pflichten eines Kraftfahrzeugführers” (§ 25 Abs. 1 StVG) kann zusätzlich sogar ein Fahrverbot für ein bis zwei Monate erteilt werden. Das kann besonders für Berufsfahrer schnell zum Problem werden.

Übrigens: Wer mit dem Mobiltelefon in der Hand geblitzt wird, kann unter Umständen gleich doppelt zur Kasse gebeten werden, allerdings zahlen Sie für die zweite Strafe eventuell nur die Hälfte. Doppelte Punkte gibt es dann trotzdem.

In der Probezeit gilt die Handynutzung als B-Verstoß, d.h. die Probezeit wird nicht automatisch verlängert. Kommt dazu allerdings ein weiterer B-Verstoß, wird die Probezeit um zwei Jahre verlängert und eine Nachschulung wird fällig.

Das Smartphone-Verbot gilt übrigens auch für Radfahrer und Fahrlehrer, denn auch sie sind “Fahrzeugführer”. Der Fahrlehrer ist auch dann der Fahrzeugführer, wenn er auf dem Beifahrersitz sitzt, und darf während der Fahrt des Schülers nicht telefonieren solange dieser noch nicht das Niveau erreicht hat, das den Lehrer entbindet. (Quelle: test.de)
Das Bußgeld für Fahrradfahrer fällt hier jedoch mit 25 € niedriger aus.

 

Telefonieren mit Freisprechanlage

Eine Freisprechanlage macht das Halten des Telefons überflüssig, ist also erlaubt. Allerdings kann Sie das Telefonieren trotzdem abgelenkt haben, woraus Ihre Versicherung durchaus schließen könnte, dass sie nur eingeschränkt zu einer Leistung verpflichtet ist. Also ist weiterhin Vorsicht geboten.

Verkehrsjurist Jost Kärger vom ADAC empfiehlt laut der Frankfurter Rundschau, das Smartphone in einer Halterung anzubringen. Wichtig: Diese darf die Sicht des Fahrers nicht behindern. Die Anbringung einer Halterung empfehle sich schon als Sicherung im Falle eines Unfalls.

 

Das Mobiltelefon weitergeben

Kommt ein Anruf oder eine Nachricht rein und Sie haben einen Mitfahrer, haben Sie Glück: Sofern Sie nicht aufs Display schauen, dürfen Sie das Handy weitergeben.
Auch, wenn das Smartphone runterfällt, beispielsweise in den Fußraum, darf es aufgehoben werden. Beides gilt als “Umlagern”.
Ist allerdings der Akku leer, sollte man besser anhalten, bevor man das Handy zum Laden anschließt. Denn auch hierfür gibt es ein Urteil des AG Oldenburg, in dem für diesen Vorgang ein Bußgeld von 60€ verhängt wurde, obwohl der Fahrer den Display hierbei nicht gecheckt hatte. Das Gericht sieht einen Unterschied zwischen dem bloßen Umlagern und dem Laden, da das Laden einen “Bezug zu einer der Funktionen des Gerätes aufweist”.

 

Das Smartphone als Navi

Das OLG Hamm urteilte dazu am 18.02.2013, dass das Halten des Handys rechtswidrig sei. e-recht24 schließt daraus, dass das Mobiltelefon dann als Navigationsgerät genutzt werden darf, wenn es dafür nicht angefasst wird, während der Motor läuft. Am besten bringen Sie es in einer Halterung an. ACE-Verkehrsrechtsexperte Florian Wolf rät (ebenfalls laut fr-online) außerdem die Navigation generell bereits vor der Zündung zu starten, denn „schon bei fest verbauten Navis dauert die Ablenkung bis zu 78 Sekunden.“ Ein unnötiges Risiko.
Interessant (und auch ein bisschen unfair) ist, dass das Bedienen eines eingebauten Navis während der Fahrt durchaus erlaubt ist, wie Rechtsindex anmerkt.

Muss die Route während der Fahrt geändert werden (wegen Verkehrsstörungen wie Stau, plötzlich blinkender Warnleuchte oder aus anderen Gründen), sollten Sie sich als Fahrer die zwei Minuten gönnen, rechts ran zu fahren und den Motor abzuschalten. Dafür sollten Sie jedoch nicht den Seitenstreifen auf der Autobahn oder Kraftfahrstraße nutzen, denn das kann teuer werden.

 

Das Handy auf dem Seitenstreifen

Egal ob Sie auf dem Standspur telefonieren, Nachrichten schreiben, die Smartphone-Navigations-App umprogrammieren oder Sonstiges: Schalten Sie dabei den Motor nicht ab, können Ihnen sogar zwei Vergehen zur Last gelegt werden. Denn das Halten oder Parken auf dem Standstreifen ist nur in Notfällen erlaubt. Unrechtmäßiges Halten (egal, ob der Motor ein- oder ausgeschaltet ist) kostet etwa 35 € laut Bußgeldkatalog.
Mit etwas Glück wird vielleicht auch hier wie bereits beim Thema Geblitzt werden mit Mobiltelefon die zweite Geldstrafe etwas gemindert, die Punkte jedoch nicht.

 

Telefonieren an der Ampel und im Stau

Ist Ihr Motor dabei aus? Dann ist es erlaubt. Bei laufendem Motor bleibt es verboten.
Eine Start-Stop-Automatik, die den Motor automatisch abschaltet, ist hierfür übrigens ausreichend. (Quellen: test und e-recht24)

 

Anrufe ablehnen

Auch das Ablehnen von Anrufen ist verboten, denn diesen musst du manuell wegdrücken. Du nimmst das Handy also in die Hand. Das Smartphone klingeln zu lassen, kann nerven. Da ist es besser, einen Beifahrer dabei zu haben, der sich darum kümmert. Achten Sie auf jeden Fall darauf, die Aufmerksamkeit auf den Verkehr gerichtet zu lassen.

 

Nachrichten schreiben

Egal ob SMS, Messenger-Nachricht (WhatsApp, Facebook usw.), Mail oder sonstiges Tippen: Auch das ist verboten. Nutzt Sie hierfür allerdings die Sprachsteuerung oder schalten den Motor vorher ab, ist es erlaubt.

 

Musik hören

Sie dürfen Musik auf Ihrem Radio hören, Ihrem Navigationssystem und auch aus Ihrem mp3-Player bzw. iPod. Aber Sie dürfen Ihr Handy nicht zum Musik hören benutzen.
Warum man seinen MP3-Player benutzen? Und sogar ein Diktiergerät bedienen? Alles Geräte, die genauso digital und nicht mit dem Auto verbaut sind. Ganz einfach: Weil Sie mit ihm nicht telefonieren können. Kommt nur mir das ungerecht vor? (Hierzu ein Urteil vom 31. Oktober 2014).
Auch die Nutzung von Tablets, “das Klöppeln von Teppichen oder das Schnitzen von Holzmännchen während der Fahrt“ sind nicht gesetzlich verboten, sagt ADAC-Expertin Hartung (zitiert nach Focus). Wer aber seine Stickerei unbedingt am Steuer beenden muss, sollte auf jeden Fall mit Versicherungsproblemen rechnen, wenn etwas passiert.

 

Selfies und Co

Dass der Fahrer während der Fahrt weder Fotos von der Landschaft noch von sich selbst (“Selfie”) machen sollte, könnte eine Frage des gesunden Menschenverstandes sein. Und doch kommt es immer häufiger zu Unfällen. Das Fotografieren mit dem Smartphone ist dem Fahrer tatsächlich verboten, denn auch hierfür muss er das Mobiltelefon in die Hand nehmen. Vielleicht wäre das Fotografieren erlaubt, wenn er das Handy dazu in seiner Halterung ließe.
Erschreckender Weise ist es dem Fahrer jedoch nicht untersagt, jegliche Art von Fotos mit einer Digitalkamera zu machen. Erstaunlich, dass es auch dazu keine gesetzliche Regelung gibt.

 

Nur mal kurz gucken

Ja, auch das “nur mal kurz nach der Uhrzeit schauen” ist verboten. Dafür muss im Normalfall das Smartphone in die Hand genommen und das Display aktiviert werden.

 

Wenn ein Unfall passiert

Was auf Sie zukommt, wenn Sie mit Handy in der Hand in einen Unfall verwickelt werden, lässt sich pauschal nicht sagen. Eine Teilschuld ist Ihnen gewiss, auch wenn Sie den Unfall nicht verursacht hast. Es hängt aber ganz stark von der Art des Unfalls, von der Schwere der Schäden und der Schwere Ihres Fehlverhaltens ab. So macht es natürlich einen großen Unterschied, ob Sie bei einem parkenden Auto eine Schramme hinterlassen oder ob ein “Personenschaden” entsteht. Wird auf fahrlässige Körperverletzung entschieden, kann das ernste Konsequenzen nach sich ziehen, von Geld- bis Gefängnisstrafen. Auch die Unfallkosten, die Sie in so einem Fall wahrscheinlich tragen müssen, können erheblich sein. Den Schaden anderer Unfallteilnehmer übernimmt zwar die Haftpflicht, die Vollkasko-Versicherung muss in so einem Fall unter Umständen aber nicht zahlen.
Ganz zu schweigen von der Schuld, die man vor sich selbst, vor den Geschädigten oder deren Angehörigen zu verantworten hat.

 

Helfen kann Ihnen in all diesen Fällen ein Fachanwalt für Verkehrsrecht. Am besten entscheiden Sie sich für einen, der Mitglied in verschiedenen Verbänden ist und sich durch Fortbildungen stets auf dem Laufenden hält.

 

Initiativen, die für die Gefahren sensibilisieren wollen

In den USA gibt es bereits eine Kampagne, die den Menschen die harten Folgen von Unaufmerksamkeit am Steuer verdeutlichen soll. “Don’t text and drive” (deutsch etwa: “Tippe nicht beim Fahren”) oder wie AT&T seine Kampagne nennt: “It Can Wait” (deutsch: “Es kann warten”). Beispiele der Videos sind z.B. das Video “Close to Home” (Kurzversion) oder die Dokumentation echter Betroffener.
Inzwischen gibt es auch eine deutsche Antwort, welche die Thematik mit einem Augenzwinkern vermittelt: “BE SMART”.

 

 

Was hat das mit Telematik zu tun?

Auf den ersten Blick sieht man den Zusammenhang vielleicht nicht. Aber einige der Gründe, warum man sich durch das Mobiltelefon ablenken lässt, können mit Hilfe der Telematik behoben werden.
Ein LKW-Fahrer muss z.B. keinen Anruf vom Chef mehr entgegen nehmen, wenn der einen neuen Auftrag hat. Stattdessen kann der Chef den Auftrag mit Hilfe einer digitalen Auftragsdisposition am PC erstellen und an das Navigationsgerät des Fahrers schicken. Wenn nötig, lässt sich dieser auch durch eine Nachricht ergänzen. So kann der Fahrer (bei ausgeschaltetem Motor) bequem den Auftrag abrufen, die Nachricht lesen und mit wenigen Klick die Navigation zum Zielort starten. Oder der Fahrer nutzt die Sprachfunktion und braucht nicht einmal mehr zu tippen. So bleibt die Aufmerksamkeit auf der Straße und das Handy stumm.
Und auch weitere Aufgaben, die nicht zwangsläufig mit dem Smartphone zusammenhängen, wie z.B. die Führung eines Fahrtenbuchs und das “nur mal kurz nachtragen”, kann von der Telematik in übernommen werden.

 

Fazit: Es ist also nicht nur umweltschonend, sondern auch äußerst praktisch und sicherer, einen Beifahrer mit an Bord zu haben. Gerne auch in Form eines Telematik-Systems.

 

Achtung: Dies ist kein rechtlicher Rat, sondern eine Mutmaßung ohne Gewähr, die Redaktion kann hierfür keine Haftung übernehmen!

 

 

Weitere Quellen:

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